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7.6 Trigonometrische Funktionen

Wir definieren die Sinusfunktion bei z durch

sin (z) = z z3 3! + z5 5! + = n=0 (1)n (2n + 1)!z2n+1 (7.11)

und die Kosinusfunktion bei z durch

cos (z) = 1 z2 2! + z4 4! + = n=0(1)n (2n)! z2n. (7.12)

Wir sagen, dass eine Funktion f auf gerade ist, wenn f(z) = f(z) für alle z und ungerade ist, wenn f(z) = f(z) für alle z . (Diese Begriffe werden analog für Funktionen mit Definitionsbereich oder Intervallen der Form [a,a] für a > 0 verwendet.)

Satz 7.72 (Sinus- und Kosinusfunktionen).

Die Potenzreihe (7.11) definiert die ungerade stetige Sinusfunktion sin : und die Potenzreihe (7.12) definiert die gerade stetige Kosinusfunktion cos : . Die Einschränkungen dieser Funktionen auf sind reellwertig und werden ebenso also Sinusfunktion und Kosinusfunktion bezeichnet. Des Weiteren bestehen für alle z die Beziehungen

exp (i z) = cos (z) + i sin (z) sin (z) = e i z e i z 2i cos (z) = e i z + e i z 2

zu der Exponentialfunktion und es gelten die trigonometrischen Additionsformeln

sin (z + w) = sin (z)cos (w) + cos (z)sin (w) (7.13) cos (z + w) = cos (z)cos (w) sin (z)sin (w) (7.14)

für alle z, w .

Eine kurze Rechnung (zum Beispiel wie schon in Abschnitt 7.5.1 unter Verwendung des Quotientenkriteriums) zeigt, dass die Reihen (7.11)–(7.12) für alle z konvergieren. Nach Satz 7.56 haben diese Potenzreihen daher unendlichen Konvergenzradius, und Satz 7.56 besagt nun, dass sin und cos auf ganz definiert und stetig sind. Für die Partialsummen sn(z) der Reihe in (7.11) gilt sn(z) = sn(z) für alle z , und daher ist sin eine ungerade Funktion. Analog ergibt sich, dass cos eine gerade Funktion definiert. Da die Koeffizienten der Potenzreihen sin und cos in liegen, gilt sin () und cos () .

Applet 7.73 (Potenzreihen).

Wir betrachten die ersten Partialsummen der Potenzreihen, welche exp , sin und cos (beziehungsweise sinh , cosh vom nächsten Abschnitt) definieren. Durch Vergrössern des Ausschnittes können Sie die Qualität der Annäherungen der Partialsummen überprüfen. Bei den trigonometrischen Funktionen kann man auch im Bild gut erkennen, dass die Potenzreihe alternierende Reihen bilden.

Wir beweisen nun den Zusammenhang zur Exponentialabbildung. Für z gilt

e i z = 1 + i z z2 2! i z3 3! + z4 4! + i z5 5! = cos (z) + i sin (z)

und analog

e i z = cos (z) i sin (z).

für alle z . Lösen wir diese beiden Gleichungen nach sin (z) und cos (z) auf, so ergeben sich die Formeln im Satz.

7.6.1 Additionsformeln

Wir wollen nun für alle z,w die trigonometrischen Additionsformeln in Satz 7.72 beweisen. Hierzu multiplizieren wir e i z und e i w und erhalten auf Grund der Additionsformel (7.9) für die Exponentialabbildung

e i (z+w) = cos (z + w) + i sin (z + w) = e i z e i w = (cos (z) + i sin (z))(cos (w) + i sin (w)) = cos (z)cos (w) sin (z)sin (w) + i (sin (z)cos (w) + sin (w)cos (z))

und ebenso

e i (z+w) = cos (z + w) i sin (z + w) = e i z e i w = (cos (z) i sin (z))(cos (w) i sin (w)) = cos (z)cos (w) sin (z)sin (w) i (sin (z)cos (w) + sin (w)cos (z)).

Auf Grund dieser beiden Gleichungen erhalten wir die Formeln (7.13)–(7.14). (Für z, w würde die erste der beiden Gleichungen ausreichen indem wir Real- und Imaginärteile betrachten. Aber für z, w erhalten wir zum Beispiel (7.14) durch Addition obiger Gleichungen.) Dies beendet den Beweis von Satz 7.72.

Für z = w ergeben sich insbesondere die Winkelverdoppelungsformeln

sin (2z) = 2sin (z)cos (z), cos (2z) = cos 2(z) sin 2(z),

wobei wir die Notation cos 2 (z) = (cos (z))2 und sin 2 (z ) = (sin (z))2 für z verwendet haben und auch für andere Funktionen und andere Potenzen des Öfteren verwenden werden. Des Weiteren folgt für w = z aus (7.14) und der Tatsache, dass der Sinus ungerade und der Kosinus gerade ist, die Kreisgleichung für Sinus und Kosinus

1 = cos 2 (z) + sin 2 (z)

für alle z .

7.6.2 Die Kreiszahl

Wir können nun die Kreiszahl π definieren.

Satz 7.74 (Pi).

Es gibt genau eine Zahl π (0,4) mit sin (π) = 0. Für diese Zahl gilt weiters

e 2π i = cos (2π) + i sin (2π) = 1, e π i = cos (π) = 1, e 1 2π i = cos (π 2 ) + i sin (π 2 ) = i , e 3 2π i = cos (3π 2 ) + i sin (3π 2 ) = i , e 1 4π i = cos (π 4 ) + i sin (π 4 ) = 1 2 + i 2.

Beweis.

Aus dem Leibniz-Kriterium (Proposition 7.25) und der Monotonie der Folge (xn n! )n für alle x (0, 1] folgt, dass

sin (x) x x3 3! 0

und

1 > 1 x2 2 + x4 24 cos (x) 1 x2 2 > 0

für alle x (0,1]. Für x = 0 ist sin (0) = 0 und für x = 1 ergibt sich

sin 2(1) (1 1 6)2 = 25 36 > 1 2

und wegen Positivität von sin (1) damit sin (1 ) > 1 2. Daher existiert nach dem Zwischenwertsatz (Satz 3.58) eine Zahl p (0, 1) mit sin (p)= 1 2. Wegen sin 2 (p)+ cos 2 (p) = 1 und cos (p) > 0 folgt ebenso cos (p)= 1 2. Wir definieren π = 4p. Die weiteren Formeln im Satz folgen aus den Additionsformeln (und den Winkelverdopplungsformeln).

Es verbleibt die Eindeutigkeit von π wie im Satz zu zeigen. Für dies zeigen wir zuerst, dass es keine Nullstelle r (0,2] von der Sinusfunktion geben kann. Wir nehmen indirekt an, dass r (0,2] die Gleichung  sin (r) = 0 erfüllt. Dann gilt cos (r) = e r i {1,1} und somit e r 2 i {1,1,i ,i }. Da aber r 2 in (0, 1] liegt, verfügen wir bereits über die Ungleichungen 0 < cos (r 2) < 1, was einen Widerspruch darstellt. Insbesondere gilt daher π (2,4).

Angenommen s (0,4) {π} erfüllt ebenso sin (s) = 0. Dann gilt nach obigem, dass s (2,4). Wir definieren

r = { π sfalls 2 < s < π s π falls  2 < π < s.

Dann gilt r (0,2] und sin (r) = 0 (wieso?), was aber obigem Argument widerspricht. Daher ist π (0, 4) durch die Gleichung sin (π) = 0 eindeutig bestimmt.   

Aus den Additionsformeln erhält man folgendes Korollar.

Korollar 7.75 (Periodizität).

Es gelten

sin (z + π) = sin (z), cos (z + π) = cos (z), sin (z + 2π) = sin (z), cos (z + 2π) = cos (z),

und cos (z ) = sin (z + π 2 ) für alle z .

Insbesondere sind die Werte des Sinus und des Kosinus auf durch die Werte auf dem Intervall [0, π 2 ] eindeutig bestimmt (wieso?). Dieses Prinzip überträgt sich unter anderem auf die Nullstellen von Sinus und Kosinus.

Wichtige Übung 7.76 (Nullstellen von sin und cos ).

Zeigen Sie, dass die Nullstellen von sin genau die Punkte in π sind und dass die Nullstellen von cos genau die Punkte in π + π 2 sind.

Hinweis.

Überzeugen Sie sich zuerst davon, dass der Sinus nur reelle Nullstellen hat. Verwenden Sie die Periodizität des Sinus und die Definition von π, um die Nullstellen von sin zu bestimmen. Anschliessend können Sie Korollar 7.75 für die Aussage über den Kosinus benutzen.

Übung 7.77 (Monotonie von Sinus).

Zeigen Sie die Formel

sin (z) sin (w) = 2cos (z + w 2 )sin (z w 2 )

für alle z, w . Verwenden Sie dies, um zu zeigen, dass der eingeschränkte Sinus

sin : [π 2, π 2 ] [1,1]

strikt monoton wachsend und bijektiv ist.

Übung 7.78.

Zeigen Sie, dass die Zahl cos (π 7 ) algebraisch ist.

Übung 7.79 (Abschätzungen für π).

Zeigen Sie π (3, 4) oder sogar 3.1 < π < 3.2 (wobei die Verwendung eines elektronischen Hilfsmittels zur Berechnung von gewissen rationalen Zahlen hilfreich sein könnte).

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7.6.3 Tangens und Cotangens

Wir definieren die Tangensfunktion tan durch

tan (z) = sin (z) cos (z)

für alle z mit cos (z) 0, was nach Übung 7.76 gerade alle z (π + π 2 ) sind. Analog ist die Cotangensfunktion cot durch

cot (z) = cos (z) sin (z)

für alle z mit sin (z) 0 (oder äquivalent alle z π nach Übung 7.76) definiert.

Übung 7.80 (Additionsformel für den (Co-)Tangens).

Zeigen Sie, dass für z,w die Additionsformel

tan (z + w) = tan (z) + tan (w) 1 tan (z)tan (w)

gilt, wo definiert. Finden und beweisen Sie eine analoge Additionsformel für den Cotangens.

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7.6.4 Polarkoordinaten und Multiplikation auf den komplexen Zahlen

Die Beschreibung eines Punktes z durch Polarkoordinaten besteht aus einem Radius r 0 und einem „Winkel“ 𝜃 mit

z = re i 𝜃 = r(cos (𝜃) + i sin (𝜃)).

Wir bezeichnen hier den reellen Parameter 𝜃 als Winkel, obwohl wir diesem noch keine geometrische Bedeutung formal zuweisen. Wir werden dies korrigieren, sobald wir die Definition der Bogenlänge einer Kurve kennen.

Ist eine derartige Darstellung von z gegeben, so gilt r = |r| = |z| womit r den Abstand von z zum Ursprung darstellt. Die Menge der Elemente mit Absolutbetrag Eins

𝕊1 = {z |z| = 1} = {e i 𝜃𝜃 }

wird als der Einheitskreis in bezeichnet (wobei 𝕊1 auch für die 1-dimensionale Sphäre steht).

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Lemma 7.81 (Existenz von Polarkoordinaten).

Für alle z existiert ein eindeutig bestimmtes r 0 und ein Winkel 𝜃 [0,2π) mit z = r e i 𝜃. Des Weiteren ist der Winkel 𝜃 eindeutig bestimmt, falls z0.

Beweis.

Für z = 0 gibt es nichts zu zeigen. Also nehmen wir z0 an. Nach Division mit |z| können wir des Weiteren r = |z| = 1 annehmen. Wir betrachten zuerst den Fall  Im (z) 0 und behaupten, dass ein 𝜃 [0,π] existiert, so dass z = e i 𝜃. In der Tat ist z = x + yi für ein x [1,1] und es gilt cos (0) = 1 und nach Satz 7.74 auch cos (π) = 1. Insbesondere existiert nach dem Zwischenwertsatz ein 𝜃 [0,π] mit Re (z) = x = cos (𝜃). Nun gilt aber auch

sin (𝜃) = 1 cos 2 (𝜃) = 1 Re (z)2 = y = Im (z)

da wir y = Im (z) 0 angenommen haben, und somit

z = Re (z) + Im (z)i = cos (𝜃) + sin (𝜃)i = e i 𝜃.

Falls  Im (z) < 0 ist, dann wenden wir obiges Argument für  z an und finden ein 𝜃 (0,π) mit  z = e i 𝜃, womit z = e i 𝜃 = e π i e i 𝜃 = e i (π+𝜃) und π + 𝜃 (π,2π).

Sind 𝜃, 𝜃 [0,2π) mit z = e i 𝜃 = e i 𝜃 , dann gilt e i (𝜃𝜃 ) = 1 und daher auch sin (𝜃 𝜃 ) = 0. Aus der Eindeutigkeit von π in Satz 7.74 und der Formel  sin (x + π) = sin (x) für alle x in Korollar 7.75 ergibt sich daraus, dass 𝜃 𝜃{π,0,π}. Falls 𝜃 𝜃 {π,π}, dann ist aber  e i (𝜃𝜃) = 1, und daher muss 𝜃 = 𝜃 gelten.   

In Polarkoordinaten lässt sich die Multiplikation auf neu interpretieren. Sind z = r e i 𝜃 und w = s e i ψ in , dann ist zw = rs e i (𝜃+ψ). Multiplikation mit z streckt also um den Faktor r und rotiert um den Winkel 𝜃, oder anders formuliert bei Multiplikation der Vektoren z,w multiplizieren sich die Längen der Vektoren und addieren sich die Winkel. Diese geometrische Erklärung der Multiplikation hat in der Geschichte der komplexen Zahlen die komplexen Zahlen ausgehend von einem etwas mysteriösen rein algebraischem Objekt zu einem eigenständigen Zahlenbegriff verwandelt. Daraufhin hat dieser Zahlenbegriff schnell Einzug in die weitere Entwicklung der Mathematik gefunden. Wir verweisen hierfür auf einen weiteren BBC Podcast.

Applet 7.82 (Geometrische Bedeutung der Komplexen Zahlen).

Wir können anhand der eingezeichneten Polarkoordinatenlinien die geometrische Bedeutung der Multiplikation von komplexen Zahlen und der Inversen und der Wurzeln einer vorgegebenen Zahl erkennen. Bei Bewegung von z um den Ursprung im Wurzelmodus ist ersichtlich, warum eine stetige Definition von Wurzelfunktionen nicht möglich ist.

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Darstellung der Abbildung z z2 . Wir möchten illustrieren, wie sich die Abbildung z z2 auf Kreisen in der komplexen Ebene verhält. Dazu teilen wir die komplexe Ebene in die obere und die untere Halbebene auf und färben die Kreise (hier für Radien in {1 2,1,2}) entsprechend ein.

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Wir betrachten die beiden Hälften nun gesondert. Zusätzlich zu den bestehenden Halbkreisen zeichnen wir von Null ausgehende Strahlen zu verschiedenen Winkeln ein.

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Die Abbildung zz2 öffnet nun obige Bilder, die an Fächern erinnern, in die eingezeichnete Richtung auf. Genauer werden die Radien quadriert (und liegen somit in {1 4,1,4}) und die Winkel in die eingezeichnete Richtung verdoppelt. Das erhaltene Bild ist in beiden Fällen dasselbe; das Bild der gesamten Abbildung stellt sich also wie folgt dar. Insbesondere hat also jeder Punkt in × genau zwei Quadratwurzeln.

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Abgesehen von dieser geometrischen Interpretation der Multiplikation können Polarkoordinaten verwendet werden, um Nullstellen von Polynomen zu bestimmen. Dies trifft in einem gewissen Sinn auch für allgemeine Polynome im Beweis des Fundamentalsatzes der Algebra zu, doch wollen wir hier zuerst nur folgende Spezialfälle betrachten.

Übung 7.83 (Wurzeln).

Sei w = re i 𝜃. Zeigen Sie, dass die Nullstellen des Polynoms p(z) = zn w (die n-ten Wurzeln von w) gerade durch

rne i 𝜃 n ,rne i 𝜃 n+i 2π n , ,rne i 𝜃 n+i 2π(n1) n

gegeben sind und dass diese paarweise verschieden sind. Die n-ten Wurzeln von 1 nennen sich die n-ten Einheitswurzeln.

Zeigen Sie des Weiteren für alle natürlichen Zahlen n 2 die Identität

k=0n1 e i 2πk n = 0.

Übung 7.84 (Quadratische Formel).

Verallgemeinern Sie Übung 3.18 und zeigen Sie, dass jedes komplexe Polynom vom Grad 2 als Produkt zweier komplexen Polynomen mit Grad 1 geschrieben werden kann.

7.6.5 Zwei Logarithmen auf der komplexen Zahlenebene

Wir erinnern daran, dass wir den reellen Logarithmus als die inverse Abbildung von der bijektiven Abbildung  exp : >0 definierten. Wir wollen dies nun wiederholen und den Logarithmus für komplexe Zahlen definieren. Leider gibt es hier aber ein fundamentales Problem: die Exponentialabbildung ist auf der komplexen Zahlenebene ganz und gar nicht bijektiv, da beispielsweise  exp (2nπi ) = 1 für alle n .

Aus diesem Grund müssen wir die Exponentialabbildung auf eine geeignete Teilmenge D von  einschränken, so dass die eingeschränkte Abbildung  exp |D : D × bijektiv ist. Dies kann durch viele verschiedene Teilmengen erreicht werden. Wir wollen hier zwei Möglichkeiten ansprechen.

Zum Beispiel könnten wir die Teilmenge

DPolar = × [0,2π) = {x + yi x ,y [0,2π)}

betrachten. In diesem Fall entsprechen x und y [0, 2π) mit  exp (x + yi ) = z × der Polarkoordinatendarstellung von z = re 𝜃 i × in Lemma 7.81 mit r = exp (x) und 𝜃 = y. Da die Polarkoordinatendarstellung von jedem z × eindeutig bestimmt ist, ist die Einschränkung  exp |DPolar : DPolar × bijektiv. Der Nachteil dieser Abbildung ist, dass die entsprechende Umkehrabbildung bei jeder positiven Zahl in (0, ) unstetig ist (wieso?).

Die Unstetigkeit des komplexen Logarithmus lässt sich zwar nicht vermeiden (zumindest dann nicht, wenn man Bijektivität der Logarithmusabbildung bewahren will), doch können wir diese mit der anderen Wahl D “etwas besser verstecken”. Wir definieren

DHaupt = × (π,π] = {x + yi x ,y (π,π]}.

Man sieht auf die gleiche Weise wie oben, dass

exp |DHaupt : DHaupt ×

bijektiv ist. In der Tat entspricht dies leicht veränderten Polarkoordinaten, wo wir einen Winkel 𝜃 [0,π] unverändert lassen aber einen Winkel 𝜃 (π,2π) durch 𝜃 2π (π,0) ersetzen (welcher wegen  e (𝜃2π) i = e 𝜃 i den gleichen Zweck wie 𝜃 erfüllt). Die entsprechende Umkehrabbildung wird der Hauptzweig des Logarithmus

log : × D Haupt = {x + yi x ,y (π,π]}

genannt. Er ist auf der negativen Halbachse <0 unstetig, aber auf × <0 stetig. (Diese Stetigkeitsbehauptungen kann man auch jetzt schon zeigen, werden aber klarer sein, wenn wir die trigonometrischen Umkehrfunktionen besprochen haben.)

Wir bemerken noch, dass wir keine Potenzen zw mit komplexer (oder auch nur negativer) Basis z und komplexen (oder auch nur reellen) Exponenten w definieren. Der Grund dafür ist, dass diese Definition von einer Wahl eines geeigneten Logarithmus abhängen würde und aus diesem Grunde nicht natürlich wäre.

Die Abbildung exp |DPolar in Bildern Wir stellen zuerst die Teilmenge Dpolar dar.

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In obigem Bild sind die blauen Linien bei y {0, π 6 , π 4 , 2π 5 , π 2 , 2π 3 ,π, 4π 3 , 7π 4 } eingezeichnet. Wir wenden nun auf der x-Koordinate die Exponentialabbildung an und erhalten folgendes Bild in den Koordinaten r = e x , 𝜃 = y.

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Man beachte, dass die grüne Linie von der Abbildung nicht getroffen wird. Jetzt weisen wir jedem Punkt mit Koordinaten (r,𝜃) die komplexe Zahl zu, die diese Polarkoordinaten hat. Die blaue Linie beim Wert 𝜃 wird damit auf den von 0 ausgehenden Strahl mit Winkel 𝜃 abgebildet. Die rote Linie beim Wert r wird auf den Kreis mit Radius r abgebildet. Die grüne Linie wird auf den Punkt 0 kollabiert.

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Analysis I (Kap. 1-9) Copyright © by Manfred Einsiedler. All Rights Reserved.

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