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Sind pflanzliche Milchalternativen die Milch der Zukunft?

Diana Cides, Luisa Davitti, Dylan Zimmermann, Mirko Kauz, Sabrina Venzin

Einleitung

Mehr und mehr Menschen konsumieren pflanzliche Milchalternativen. Sei dies wegen einer veganen Ernährungsweise, aufgrund von Sorgen ums Tierwohl oder aus dem Bedürfnis, etwas Gutes für die Umwelt zu tun. Doch wie viel nachhaltiger sind diese Pflanzendrinks wirklich? Sind sie vielleicht sogar gesünder als Kuhmilch? Oder handelt es sich dabei nur um gutes Marketing ? Der folgende Blogbeitrag soll Klarheit verschaffen. Deshalb haben wir einige Fragen festgelegt und die pflanzlichen Milchalternativen anhand dieser Fragen mit herkömmlicher Kuhmilch verglichen. Vor allem interessieren uns folgende Aspekte: Nährstoffe, Nachhaltigkeit, aber auch der Preis und die Haltbarkeit. Die letzten beiden Faktoren sind vor allem interessant, weil sie einen grossen Einfluss auf das Kaufverhalten der Konsumenten haben.

Wie verhalten sich die Milchalternativen in Bezug auf die Nachhaltigkeit gemessen in UBP?

Wie nachhaltig die Produktion eines Lebensmittels ist, hängt mit unterschiedlichen Umweltfaktoren zusammen, zum Beispiel dem Wasserverbrauch, der Landnutzung und den verursachten Emissionen. Hier schliesst die Kuhmilch besonders schlecht ab, weil sie besonders hohe Emissionen erzeugt.

Der Grossteil der klimaschädlichen Emissionen entsteht allerdings bereits im Verdauungsapparat der Kuh, sowie in der Futtermittelproduktion und nicht bei der Milchherstellung selbst. Bei den pflanzlichen Möglichkeiten sieht es ähnlich aus. Dort hängt es vor allem von der Anbauart und der Herkunft der Rohstoffe ab, wie hohe Emissionen verursacht werden. Denn von je weiter ein Rohstoff zur Herstellung von pflanzlicher Milch kommt, desto mehr Emissionen verursacht der Transport.

(Bocksch, 2020)

Wenn man ausschliesslich den Beitrag zum Klimawandel und den Wasserverbrauch in Betracht zieht, dann sind alle untersuchten Milchalternativen umweltfreundlicher als herkömmliche Kuhmilch. Jedoch müssen auch andere Aspekte berücksichtigt werden, wie zum Beispiel der Einsatz von schädlichen Düngemitteln etc. Diese weiteren Faktoren werden in der Einheit Umweltbelastungspunkte (UBP) berücksichtigt. Abgesehen von der Cashewmilch, sind auch hier alle Milchalternativen immer noch deutlich weniger belastend für die Umwelt (siehe erste Tabelle, Bussa 2020). Mandel- und Hafermilch weisen in Umweltbelastungspunkten gemessen die geringste Umweltbelastung auf. Als Herkunft der Rohstoffe ist in der Studie Europa angegeben. Wenn man eine Milch mit Schweizer Hafer untersuchen würde, dann wäre deren Umweltbelastung vermutlich nochmals geringer.

Um aber abschliessend beurteilen zu können, ob pflanzliche Milchalternativen wirklich viel umweltfreundlicher sind, muss auch deren Umweltbelastung im Verhältnis zum Nährstoffgehalt betrachtet werden. Man kann zum Beispiel die UBP pro 20 g Protein berechnen. Hier schneidet dann einzig die Sojamilch besser ab als herkömmliche Kuhmilch (siehe zweite Tabelle, Bussa 2020).

Tabelle 1: x-Achse verschiedene Milchalternativen, y-Achse UBP pro Liter

Tabelle 2, x-Achse verschiedene Milchalternativen, y-Achse CO2 Äquivalente pro Proteinportion

Mit einem Verbrauch von 628 Litern Wasser pro Liter Kuhmilch wird fast doppelt so viel Wasser benötigt wie bei der wasserintensivsten Alternative (Mandelmilch). In Bezug auf CO2 ist Kuhmilch sogar dreimal so schädlich wie die CO2-intensivste Alternative (Reismilch).

Die nachhaltige Lebensmittelproduktion ist von unterschiedlichen Umweltfaktoren, wie etwa Wasserverbrauch, Landnutzung und verursachten Emissionen abhängig. Wenn man bei der Milchproduktion die Kohlenstoff-Emissionen und den Wasserverbrauch vergleicht, so schneidet die Kuhmilch mit Abstand am schlechtesten ab. In der zweiten Tabelle (siehe oben) sieht man gut, dass alle Milchalternativen eine viel nachhaltigere Produktion ermöglichen als Kuhmilch.

Wie verhalten sich Milchalternativen und Milch in Preis und Haltbarkeit?

  

Im Rahmen der Vorlesung von World Food Systems wurden aktuelle Preisen sowie Haltbarkeitsangaben von Kuhvollmilch und Milchalternativen im Bereich Preis pro Liter und Haltbarkeit verglichen. Aufgrund fehlender Daten bei Migros, Denner, Aldi, Lidl und Alnatura werden nur Produkte von Coop berücksichtigt. (Coop, 2021)

Im Vorfeld ist zu bemerken, dass Kuhmilch in der Schweiz subventioniert wird. Gemäß einem Bericht aus dem Jahr 2015 des Bundes erhält ein/e Landwirt/in ca. 50Rp. pro Liter Milch vom Staat. (Bundesrat, 2015) Dies entspricht ungefähr 50% des Ertrages. Die Preisspanne für Vollmilch bei Coop liegt zwischen 1.4 Fr. pro Liter (UHT, Q&P) und 2.6 Fr. pro Liter (UHT-Bio, Naturaplan). Bei pasteurisierter Vollmilch ist der Preis bei Bio und konventioneller Milch identisch, nämlich 1.8 Fr. pro Liter. Demeter Vollmilch kostet 30 Rappen mehr als Bio oder konventionelle Vollmilch.

Milchalternativen schwanken im Preis zwischen 1.95 Fr. pro Liter (Soja, Karma) und 3.7 Fr. pro Liter (Mandel, alpro). Ob das Produkt biologisch oder konventionell hergestellt wird, hat keinen Einfluss auf den Preis. Einzig war zu beobachten, dass Milchalternativen mit zugefügten Vitaminen wie B2, B12 oder D2 (Mandel, alpro) teurer sind als Alternativen, die nur aus Wasser, Getreide/Nüssen und Kochsalz bestehen (Hafer, alpro).

In Abbildung 1 ist gut zu erkennen, dass Milchalternativen teurer sind als Vollmilch. Im Mittelwert kostet Vollmilch 1.85 Fr. pro Liter, die Milchalternativen kosten im Mittelwert 3.2 Fr. pro Liter. Dies entspricht einem Aufschlag von 73% oder 1.35 Fr.

Abbildung 2 zeigt die Haltbarkeit der Produkte. Die Milchalternativen sind, bis auf zwei Produkte, alle mindestens 30 Tage haltbar. Dies entspricht ungefähr der Haltbarkeit von UHT Milch. Pasteurisierte Vollmilch ist mindestens drei Tage genießbar. Die Produkte von «oatly» sind ebenfalls mindestens drei Tage haltbar.

Diese Recherche kommt zum Schluss, dass sich die Kluft im Preis nicht mit dem Unterschied in der Haltbarkeit von Milch und Milchalternativen erklären lässt. Milchalternativen und Vollmilch haben eine ähnliche Haltbarkeit. Es ist für beide Produkte möglich, eine Haltbarkeitsdauer von 30 Tagen zu erreichen. Die Subventionen haben sicherlich einen Einfluss auf die tieferen Milchpreise. Es kann nicht abschließend beurteilt werden, wie groß dieser tatsächlich ist, da die Margen von Coop nicht mit in diese Recherche geflossen sind.

Enthalten pflanzliche Milchalternativen gleich viele Nährstoffe wie herkömmliche Kuhmilch?

Verglichene Kuhmilche und Milchalternativen:

Kuhmilch (3.5% Fettanteil, 1.5% Fettanteil, 0.1% Fettanteil)

Milchalternativen: Sojamilch, Mandelmilch, Hafermilch, Reismilch (alle ungesüsst)

 

Die meisten pflanzlichen Milchalternativen beinhalten weniger Kalorien als herkömmliche Vollmilch oder teilentrahmte Milch. Dies hängt mit dem Fettgehalt von Kuhmilch zusammen. Eine Vollmilch beinhaltet von Natur aus mehr Fett und dementsprechend mehr Kalorien als eine Magermilch. Alle pflanzlichen Milchalternativen weisen im Vergleich zu Kuhmilch einen geringen Eiweissgehalt auf. Nur Sojamilch hat einen vergleichbaren Eiweissgehalt.

Generell haben pflanzliche Milchalternativen einen geringeren Fettanteil als Kuhmilch. Eine Ausnahme ist Sojamilch, die am meisten Fett aller pflanzlichen Milchalternativen beinhaltet. Dabei ist anzumerken, dass bei vielen pflanzlichen Milchalternativen das Fett nicht aus dem Getreide selbst stammt, sondern bei der Produktion als Sonnenblumenöl zugesetzt wird.

Kuhmilch hat im Schnitt mehr Kohlenhydrate als die Milchalternativen. Ausnahmen sind Sojamilch und Hafermilch, die beinhalten mehr Kohlenhydrate als herkömmliche Milch. Der Zuckeranteil der Kohlenhydrate ist bei Kuhmilch um einiges höher als bei den Milchalternativen. Pflanzliche Milchalternativen beinhalten mehr Ballaststoffe als Kuhmilch. (Elmadfa, 2012)

 

Pflanzliche Milchalternativen werden zum Teil gesüsst und beinhalten zusätzlich Salz, Aromen und Verdickungsmittel oder werden mit bestimmten Mineralstoffen und Vitaminen angereichert. Getreide, aus welchem pflanzliche Milchalternativen produziert wird, enthält Stärke und dient somit primär als Energiequelle, beispielweise für Körperaktivitäten. Kuhmilch enthält dagegen eher mehr Eiweiss und Kalzium. Das Eiweiss dient als Baustoff und fördert somit den Muskelaufbau und das Kalzium unterstützt die Knochengesundheit.  (Swissmilk,2021)

Nährrwertetabelle von einer Hafermilch und einer Kumilch mit 3.9 Fettanteil

(Coop, 2021)

(Coop, 2021)

Fazit

Abschliessend lässt sich aufgrund der Analyse festhalten: Beim Aspekt Nachhaltigkeit schliessen die pflanzlichen Milchalternativen deutlich besser ab als herkömmliche Kuhmilch. Auch wenn die Rohstoffe, welche für die Herstellung der pflanzlichen Milchalternativen gebraucht werden, oft von weiter herkommen, sind die Pflanzendrinks immer noch deutlich umweltschonender als Kuhmilch. Milchalternativen sind im Schnitt etwas teurer, dies lässt sich jedoch mindestens teilweise  dadurch erklären, dass Kuhmilch in der Schweiz subventioniert wird. Milchalternativen enthalten von Natur aus weniger Nährstoffe als Milch, werden aber oft mit den besagten fehlenden Nährstoffen angereichert. Oft werden die Milchalternativen mit Calcium oder gewissen Vitaminen fortifiziert. Somit erreichen die Milchalternativen dann einen vergleichbaren Nährstoffgehalt wie Kuhmilch. Die meisten Milchalternativen enthalten jedoch deutlich weniger Eiweiss als Kuhmilch. Die einzige Ausnahme bildet Sojamilch. Pflanzliche Milchalternativen sind also insbesondere bezüglich der Nährstoffe kein vollwertiger Ersatz für Kuhmilch. Jedoch sind sie eine sehr gute Alternative für Menschen, welche etwas Gutes für die Umwelt tun möchten. Das Eiweiss, welches den Milchalternativen im Vergleich zur Kuhmilch fehlt, kann gut durch andere Lebensmittel aufgenommen werden.

 

Quellen

Zu Frage 1:

Bussa; Martina Eberhart; Niels Jungbluth; Christoph Meili (2020) Ökobilanz von Kuhmilch und pflanzlichen Drinks. ESU-services GmbH im Auftrag von WWF Schweiz, Schaffhausen, Schweiz, www.esu-services.ch/de/publications/

Bocksch Réne, 7.5.2020, Welche Milchsorte ist die nachhaltigste? https://de.statista.com/infografik/21638/umwelteinfluss-verschiedener-milchsorten/

Albert Schweizer Stiftung, 9.3.2018, Zur Ökobilanz von Pflanzenmilch

https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/oekobilanz-pflanzenmilch

 

Dallmus Alexander, 19.9.2021, Kuhmilch oder Pflanzen-Drinks: Wo ist die Ökobilanz besser?

https://www.br.de/nachrichten/bayern/kuhmilch-oder-pflanzen-drinks-wo-ist-die-oekobilanz-besser,SjFtUwR

Zu Frage 2:

Coop Genossenschaft: in: Internetseite (Suchfunktion) 03.12.2021,URL:https://www.coop.ch/de/

Der Bundesrat:”Perspektiven im Milchmarkt”, in: Bericht des Bundesrates in Erfüllung des Postulats 15.3380 der Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Nationalrats, 14.04.2015, S. 35

Zu Frage 3:

I.Elmadfa, W. Aign, E. Muskat und D. Fritzsche. Die große GU Nährwert Kalorien Tabelle. GU, 2012/2013.

Swissmilk, aufgerufen am 8.12.2021, Mandel unc Co.: Pflanzendrinks als Milchersatz?

https://www.swissmilk.ch/de/ernaehrung/pflanzenbasiert-essen/mandel-und-co-pflanzendrinks-als-milchersatz/

Nährwertetabellen sowie Bilder ebenfalls:

Coop Genossenschaft: in: Internetseite (Suchfunktion) 03.12.2021,URL:https://www.coop.ch/de/

 

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